Ein Mensch beginnt sehr früh, sein Selbstwertgefühl zu entwickeln. Kinder, die dauernd kritisiert werden für das, was sie tun, werden irgendwann anfangen, an sich selbst zu zweifeln. „Dazu bist du noch zu klein“. „Lass es, du kannst es ja sowieso nicht“. „Aus dir wird nie was“. Solche und ähnliche Sprüche führen nur dazu, das Kind einzuschüchtern. Diese Einschüchterung lässt es an seinen eigenen Fähigkeiten zweifeln. Das Herabwürdigen und Kleinmachen führt zur „sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das Unterbewusstsein des Kindes hält die Aussagen für wahr (übrigens gilt das auch für einen Erwachsenen, wenn die Aussage nur oft genug wiederholt wird; Kinder sind aber für derartige Aussagen besonders anfällig). Es traut sich nichts mehr zu, hat Angst zu versagen. Schließlich hat es oft genug gehört, dass es ohnehin nichts kann, nichts ist, nichts wird. Hat es versagt, wird meistens noch nachgelegt: „Ich hab´s dir ja gleich gesagt, dass du das nicht kannst“. Das Kind wird noch unsicherer und schon befindet es sich mittendrin im Teufelskreis.

Selbstverständlich funktioniert das Ganze auch anders herum. Viel Lob und Bewunderung bei Erfolgen und Aufmunterung, wenn es mal nicht so gut lief, führt dazu, dass das Kind ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln kann. Grundsätzlich sollte man mit Lob anderen gegenüber nie sparen. Dies gilt für Menschen im Allgemeinen, für Kinder aber im Besonderen.

Solche Erfahrungen im Kindes- und Teenager-Alter prägen einen Menschen oft für ein ganzes Leben. Sehr viele Erwachsene leiden deshalb unter einem schwachen Selbstwertgefühl. Auch spätere Erlebnisse wirken sich negativ oder positiv auf das eigene Selbstbewusstsein aus. Arbeitsplatzverlust, Scheidung und andere einschneidende Erlebnisse können das eigene Selbstwertgefühl durchaus in den Keller schicken. Dort bleibt es dann für lange Zeit. Oder gar für immer. Erwachsene sind weit weniger in der Lage oder willens, sich oder ihr Umfeld zu verändern.

Es kann sehr schwierig sein, als Erwachsener sein Selbstwertgefühl zu verbessern, wenn es nur gering ausgeprägt ist. Oder es wieder neu aufzubauen, wenn es irgendwann einmal verlorenging. Gehe in diesem Fall den Weg der kleinen Schritte. Übe dich in kleinen und kleinsten Veränderungen in deinem Aussehen, deinem Verhalten anderen gegenüber, deiner Einstellung dir selbst und der Welt gegenüber, was immer du willst.

Dein Aussehen kannst du in gewissen Grenzen ändern, in dem du zum Beispiel mehr Sport treibst (wenn du zu dick bist oder dich sonst nicht wohl fühlst in deiner Haut). Dein Verhalten anderen gegenüber kannst du vielleicht verbessern, wenn du dich bei einem Streitgespräch in die Lage des anderen versetzt und dich bemühst, die Dinge aus seiner Sicht zu sehen. Denke stets daran, dass jemand, der dir Schlimmes angetan hat, auch nur ein Mensch ist mit all seinen Stärken und Schwächen. Auch er hat sein Scherflein im Leben zu tragen. Auch er kann lachen, aber auch weinen – so wie du. An deiner Einstellung dir selbst und der Welt gegenüber kannst arbeiten, in dem du lernst, positiv zu denken. Dein Unterbewusstsein speichert alles, was du seit deiner Geburt je erlebt und gedacht hast. Stell dir dein Unterbewusstsein wie ein Gefäß vor. Nehmen wir an, das Gefäß ist voll mit schmutzigem, abgestandenem und trübem Wasser (negative Gedanken). Wenn du nun ständig frisches, sauberes Wasser (positive Gedanken) nachfüllst und längere Zeit nicht damit aufhörst, wird das Gefäß überlaufen. Das schmutzige Brackwasser wird mehr und mehr durch das frische Wasser ersetzt. Es wird so lange ausgetauscht, bis der Inhalt glasklar ist. Das geht aber nicht von Jetzt auf Gleich, sondern dauert etwas. So ist es auch mit deinen Gedanken. Es wird umso schwieriger, je länger du schon gelebt hast. Schließlich hat sich in einem langen Leben auch viel „Schmutzwasser“ (negative Gedanken) in deinem Unterbewusstsein angesammelt, das nur über eine gewisse Zeit durch „sauberes Wasser“ (positive Gedanken) ersetzt werden kann.

Während du an deinem Aussehen arbeitest (sofern erforderlich), mehr Verständnis im Umgang mit anderen zeigst und die Einstellung zu dir selbst verbesserst, wirst du mehr und mehr Vertrauen bauen, und nach einer gewissen Zeit spürbare Erfolge bemerken. Die größte Herausforderung dabei ist, deine Energien dahin zu kanalisieren, deine Perspektive zu ändern. Du musst dir angewöhnen, positiv zu denken und nach den guten Dingen im Leben Ausschau zu halten. Anstatt dir darüber den Kopf zu zerbrechen, was Menschen an dir nicht leiden könnten, konzentriere dich auf die Dinge, die du ihnen anzubieten hast. Möglicherweise bist du zu streng zu dir selbst. Vielleicht liegt dir das Wohl Anderer näher als dein eigenes. Das ist sehr lobenswert und bestimmt nicht verkehrt. Denke trotzdem auch mal an dich und schenke dir die dir zustehende Aufmerksamkeit. Du bist genau so viel wert wie dein Nächster!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.