Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Apostel Paulus. Hier die Kurzfassung:
Er war der Sohn vermögender jüdischer Eltern aus Tarsus in Kleinasien mit römischem Bürgerrecht, war aber in einer griechisch-bürgerlichen Umgebung aufgewachsen und beherrschte die griechische Sprache. Saulus war von Beruf Zeltteppichweber wie sein Vater und folgte ihm auch in dessen Amt als Pharisäer (jüdischer Theologe im Laienstand).

Für Saulus war die christliche Kirche eine Sekte. Sei Hass richtete sich vor allem an die Urchristen, die sich seiner Meinung nach nicht vollständig an die Regeln der Tora (ein Teil der jüdischen Bibel; in der christliche Bibel sind es die fünf Bücher Mose) richteten. Diese Gesetzesuntreue – so meinte Saulus – musste bestraft werden und er hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, die Christen zu verfolgen und zu vernichten. Die Schriften sagen, dass er bei der Steinigung von Stephanus zugegen war und die Kleider der Steiniger bewacht hat. Anschließend soll er Frauen und Männer aus Stephanus`Gemeinde verschleppt und deren Verhaftung herbeigeführt haben.
Als er sich auf den Weg nach Damaskus machte, um dort Jesu Anhänger aufzuspüren und zu verhaften, soll er dem auferstandenen Jesus begegnet sein. In der Apostelgeschichte, Kapitel 22 heißt es: „Es geschah aber, da ich hinzog und nahe Damaskus kam, um den Mittag, umleuchtete mich schnell ein großes Licht vom Himmel. Und ich fiel zum Erdboden und hörte eine Stimme, die sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Ich antwortete aber: HERR, wer bist du? Und er sprach zu mir: Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst… Ich sprach aber: HERR, was soll ich tun? Der HERR aber sprach zu mir: Stehe auf und gehe gen Damaskus; da wird man dir sagen von allem, was dir zu tun verordnet ist. Als ich aber von der Klarheit dieses Lichtes nicht sehen konnte, ward ich bei der Hand geleitet von denen, die mit mir waren, und kam gen Damaskus.“

Von diesem Augenblick an erkannte Saulus seine wahre Berufung. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen: Sein ganzes bisheriges Leben hatte er falschen Zielen gewidmet. Er wechselte die Seiten, trat zum Christentum über und nannte sich fortan Paulus. Mit dem gleichen Eifer, mit dem er bislang die Christen verfolgt hatte, widmete er sich nun der Verbreitung des Chistentums.

Es gibt manch einen Zeitgenossen, der vom Saulus zum Paulus mutierte. Ich habe einmal von einem Mann gelesen, der Neonazi gewesen ist. Als Jugendlicher hatte er im Suff einen anderen Menschen so schwer verletzt, dass dieser an den Folgen seiner Verletzungen gestorben ist. Man steckte den Mann ins Gefängnis und während er seine Haftstrafe verbüßte wurde er zum Christen. Heute ist er Pastor einer kleinen Gemeinde.

Warum gibt es so viele Saulusse unter uns, die voller Hass gegenüber Andersdenkenden oder Menschen anderer Herkunft sind? Aktuelles Beispiel: Asylanten. Warum werden immer wieder Flüchtlingsunterkünfte niedergebrannt? Die Flüchtlinge haben so schlimme Dinge sehen und erleben müssen, wie wir sie uns nicht einmal vorstellen können. Sie mussten ihre Heimat verlassen, flohen vor Krieg, Folter und Mord. Sie kommen voller Hoffnung bei uns an. Sie freuen sich auf ein besseres Leben in Anstand und Würde. Auf ein bisschen Glück vielleicht. Stattdessen stehen sie plötzlich vor einer Mauer voller Hass. Es ist kein Verdienst, ein Deutscher zu sein. Es ist ein Privileg! Das sollten wir nie vergessen. Warum begegnen viele anderen Menschen mit Abneigung, nur weil sie anders denken, andere Wertvorstellungen und andere Lebensentwürfe haben?

Diese Diskriminierung beschränkt sich aber nicht nur auf andere Menschen. Oft diskriminiert man auch sich selbst. „Mein Leben ist zu nichts nutze. Was soll ich hier auf dieser Welt?“ Andere sind um so vieles besser im Beruf. Sie sind viel bessere Ehemänner, Mütter, Familienväter, Töchter, Söhne“ etc. Das sind Glaubenssätze, die uns nicht weiterbringen. Der Hass, die Geringschätzung oder Ablehnung richtet sich dann nicht gegen andere, sondern gegen uns selbst.
Leute, hört auf damit, andere oder euch selbst abzulehnen oder gar zu hassen! Werdet vom Saulus zum Paulus! Es bedarf gar keines großen Ereignisses, wie es Saulus widerfahren ist. Es genügt völlig, Augen und Ohren offenzuhalten für die Nöte, Bedürfnisse und Leiden anderer. Nicht jeder ist bereit oder in der Lage, anderen aktiv zu helfen, zum Beispiel in einem Ehrenamt. Zumindest aber sollte man seinen Mitmenschen mit Respekt und Anstand begegnen und anerkennen, dass jeder Mensch seinen eigenen Lebensentwurf hat. Jeder hat sein Schärflein zu tragen. Auch andere Menschen, denen du vielleicht nicht so besonders wohlgesonnen bist, haben ihre Probleme. Auch sie können trauern und weinen.

Und wie ist es mit dir selbst bzw. deiner Einstellung dir selbst gegenüber? Sei nicht zu streng mit dir. So wohlwollend du anderen gegenüber begegnen solltest, solltest du auch dir selbst begegnen. Sicher gibst du dein Bestes, stehst deinen Mann (bzw. deine Frau) im Leben, so gut du eben kannst. Und momentan geht es halt gerade nicht besser. Nur wenn du Achtung vor dir selbst hast, kannst du auch Achtung anderen gegenüber haben. Gehe in dich und mache eine Bestandsaufnahme deines bisherigen Lebens. Überlege, wer du sein möchtest und wer du tatsächlich bist. Und wenn du weißt, wer du bist, dann schmiede Pläne und setze dir Ziele, die zu dir passen. Und falls du wie Saulus zu dem Schluss kommen solltest, dein ganzes bisheriges Leben den falschen Zielen gewidmet zu haben, wünsche ich dir von Herzen, die richtigen zu finden. Werde vom Saulus zum Paulus. Im Umgang mit anderen und im Umgang mit dir selbst!

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